Am Vorabend traf ich dann etwas zu spät in Rangipo auf Judith und Fabian. Von dort fuhren wir nach Whakapapa Village , wo wir die Naht in unseren Autos verbrachten. Das sollte der Endpunkt unserer heutigen Wanderung werden. Wir packten alle Sachen in einen Rucksack und quetschten uns in ein Auto und fuhren zum Start der Wanderung, Ketetahi Carpark.

Von dort aus ging es dann auch recht schnell los, es war morgens noch recht kühl und wir liefen durch schattigen Wald, bevor wir nach etwa 30 Minuten die Baumgrenze erreichten und uns von der Sonne wärmen lassen konnten. Wir kamen an einigen Huts vorbei und an einigen heißen Quellen, die aber heute nicht von besonderen Interesse waren. Wir wollten das komplette Tongario Crossing an einem Tag machen, 1240 Höhenmeter wollten bezwungen werden und 28 Kilometer zurückgelegt werden. Das Tongario Crossing gilt als schönste Ein-Tages-Wanderung NewZealands, was ich nur bestätigen kann.

Auf dem Weg nach oben zogen wir uns erst stückweise aus, weil es immer wärmer wurde durch Sonne und Anstrengung und dann wieder stückchenweise an, als es mit zunehmender Höhe immer kälter und auch der Wind recht eisig wurde. Uns kamen einige Kiwis entgegen, die aussahen, als wollten sie den Mt Everest bezwingen. “Very icy on the top, be aware” mussten wir uns anhören, aber wir wollten es trotzdem versuchen und dann zur Not halt umkehren, wenn es gar nicht geht.

Aber es ging, sehr gut sogar. Oben war alles unter einer 1m mächtigen Schneedecke begraben, die aber zum Glück kräftig überfroren war, so dass wir ohne Probleme darauf laufen konnten. Wäre meine Dozentin von der Uni Elke mit dabeigewesen, hätte sie alle 2 Minuten “Stunning Views” gesagt. Ich habe es gedacht 🙂 Das war wirklich traumhaft. Und auch das Wetter hat sowas von mitgespielt. Die Tage zuvor auf der Südinsel hatten wir Dauerregen und nachts Nebel, hier hatten wir einen Himmel, der nicht blauer hätte sein können.

Erkennt Ihr eigentlich diesen Berg, diesen Vulkan? Kommt der Euch bekannt vor? Das ist Mount Ngauruhoe, besser bekannt als Mount Doom aus dem Herrn der Ringe (Schicksalsberg). Hier hat Sam den Frodo hinaufgeschleppt und dann den Ring im Berg eingeschmolzen. Fabian und ich waren fasziniert von der Kulisse, man fühlte sich fast als Teil der (fiktiven) Geschichte.

Es war eine grandiose Wanderung, auch wenn sie sehr lange gedauert hat und wir uns freuten, als wir dann schlussendlich am Auto ankamen. Die Beine brauchten dringend eine Entspannung und die sollten sie auch bekommen. Gleich nach Ankunft am Parkplatz fuhren wir los, das zweite Auto holen und fuhren dann im Konvoi die 150 Kilometer nach Wai-o-Tapu, wo wir uns in dem heißen Fluss entspannen wollten.

Ich war zwar schon drin und habe das heiße Wasser genossen, aber abends dort zu sitzen und einige Stunden mit Bierchen zu verbringen, hatte ich mir dann doch alleine und nachts nicht zugetraut.
Als wir ankamen, verließ gerade eine Gruppe von 5 Personen die Badestelle und fuhr mit dem Auto davon. Jetzt haben wir sie für uns alleine, dachten wir. Aber denkste. Wir verbrachten etwas mehr als 2 Stunden im heißen Wasser und es war sehr gut frequentiert. Zum Peak waren 14 Menschen im Wasser und trank Bier/Wein und entspannte sich.

Die Stimmung war wunderbar. Wir hatten Vollmond und eine sonst klare Nacht, der Mond schien auf das Wasser und der dichte Wasserdampf schuf eine gespenstische, aber irgendwie sehr angenehme Athmosphäre. Dazu geselten sich die Kerzen, die wir und die anderen mitgebracht hatten und an den Kalkwänden befestigt brannten.

Anfangs verbrachten wir einige Zeit im heißen Strom, um uns wieder aufzuwärmen und die Muskeln zu entspannen. Aber bereits nach 15 Minuten war mir so unerträglich heiß, dass ich mehr und mehr die Nähe zum kalten Strom suchte und oft auch ganz reinschwamm und dort abkühlte. Natürlich habe ich mir auch die Füße leicht verbrannt, weil der Sand im kalten Strom an einer Stelle brühend heiß war 🙂

Der Bungy Tag war gut, aber das hier und heute war mit Sicherheit und mit Abstand der beste Tag, den ich hier verbracht habe. Danke auch an Judith und Fabian für die schöne Zeit!