Um 6:30 wollten wir starten, aber das wurde nichts. Dafür war ich aber auch ganz dankbar. Ich hatte mich zwar schon vor 00:00 Uhr von der Party verabschiedet, bin dann aber noch beim Flüge-Suchen hängen geblieben. Los ging es dann um 10:30 Uhr mit dem großen Ford von Adarsh. 6 Mann saßen doch recht gezwängt in dem 7-Sitzer-Jeep. Wir mussten halt noch Gepäck mitnehmen. Nach 20 Minuten Fahrt mussten einige der Herren erstmal ausgiebig frühstücken. Ich hatte mir vor der Abfahrt noch einige Scheiben Toast eingeworfen und ging eigentlich davon aus, dass der Rest vor einer so langen Fahrt ähnlich macht. Aber nichts da. So kam ich in den Genuss eines zweiten Frühstücks.

Die Fahrt dauerte recht lange und war für mich sehr anstrengend. Die Fahrweise der Inder ist kurz vor “wahnsinnig” einzuornen. Die Fahrbahn hat 1,5 Spuren, auf denen sich der gesamte Verkehr abspielt. Es wird gedrängelt, überholt, gehupt, gebremst, beschleunigt, Schlaglöchern ausgewichen und dabei noch laut Musik gehört. Es ist schon arg mulmig, wenn man mit Tempo 100 über schlechte Landstraßen brettert, die dieses Tempo eigentlich nicht hergeben. Und wenn dann ein Bis laut hupend von hinten auffährt und uns nötigt, hört der Spaß auf. Nicht selten überholen Busse und LKW einander. Das tun sie eben auf nur 1,5 Spurgen. Sie fahren also einige 100 Meter auf der Gegenfahrbahn. Wenn so ein Teil bei Tempo 100 auf dich zugefahren kommt, dein Fahrer aber ganz cool bleibt und keine Anstalten macht, auszuweichen, weiß man nicht so recht, wie man reagieren soll. Aber zumindest kamen wir heil an.

Nach 4 Stunden Fahrt und 175 Kilometern (trotz Raserei!!!) kamen wir endlich in Varkala an und entstiegen dem klimatisierten Ford und waren mit 34 Grad und Mittagssonne konfrontiert. Aua! Wir machten einen ersten Rundgang durch die Shoppingmeile und stiegen wieder ins Auto, um eine Unterkunft zu suchen. 2 Strände und viel Warterei entschied sich die Gruppe endlich, doch am ersten Strand zu bleiben. Im Hotel eingecheckt wollte ich sofort ins Wasser – klar bei dern Temperaturen. Aber die Mädels hatten hunger und so mussten wir erstmal warten, bis alle umgezogen waren (man darf sich nicht am Strand umziehen) und konnten dann ins Restaurant laufen. Im Restaurant gabs diverse frisch gepressten Säfte. Der teuerste Saft von allen war Apfelsaft – verrückte Welt. Am Strand waren wir dann um 16:40 Uhr und ich sprang sofort ins Wasser. Nach ganzen 15 Minuten wurden wir von den Badewachen aus dem Wasser geholt, der Strand wurde für heute geschlossen. Großes Kino! 3 Stunden rumtrödeln und dann sowas. Aber mir gings viel zu gut, um böse zu sein.

Der Abend wurde sehr schön. Abgesehen von dem katarophalen HSV Ergebnis, das mich erreichte. Mein HSV wird nicht international spielen :(. In dem Touristenort Varkala machen die Touristen fast 50% aus. Und ich habe meine ersten Deutschen Touristen in Indien getroffen. Sonst sind hier eigentlich nur Schweden und Iren. Keine Ahnung, warum gerade hier. Wir speisten gut und tranken reichlich Bier. Um 01:00 Uhr habe ich mich dann richtung Bett verabschiedet. Mittlerweile weiß ich ganz gut, wann ich genug habe. Schließlich wollte ich am nächsten Tag fit sein und den schwarzen Strand erkunden. Aber der Schlaf wurde auf eine Harte Probe gestellt. 2 Stunden später torkelte Adarsh in mein Zimmer und wollte anscheinend neben mir schlafen (Doppelbetten). Eigentlich teilte ich ein Appartment mit Ritesh, aber das war mir dann auch egal. Nur leider kippte Adarsh in sein Bett und schlief augenblick ein. Er began so grandios laut zu sägen, dass ich mir Ohropax in die Ohren fropfen musste. Dann konnte ich schlafen.

Am morgen bin ich früh raus, hab mir meine Kamera geschnappt und bin los nach Norden, den schwarzen Strand suchen. Leider habe ich nicht gemerkt, dass mein Objektiv ein wenig Sonnenmilch abbekomen hat und so sind viele der Fotos gerade bei Gegenlicht milchig. Gefunden habe ich den Schwarz-Sand-Strand nicht, der ist nur von August bis September zu sehen, erfuhr ich von Anwohnern. Toll! Aber ich habe viele andere tolle Sachen gesehen. Zum Beispiel kletterte ein MUNGO auf den warmen steinen herum und lies sich ohne Gegenwehr von mir knipsen. Danke Tele Objektiv!

Fast noch toller waren die beiden Kokosbauern, denen ich bei der Arbeit zuschauen durfte. Einer klettert ohne Hilfsmittel die bis zu 20 Meter hohen Palmen hoch, bindet oben ein Seil um die Stauden und kappt dann mit der Machete die Verbindung zum Baum.

Anschließend lässt er das Bündel mit bis zu 15 Kokosnüssen zur Erde herab. Ich habe mir gleich 2 Stück geleistet. Kokosmilch frisch vom Baum schmeckt großartig. Und er hat mir netterweise die Nuss geöffnet, so dass ich das Fleisch essen konnte. Nach dieser Mahlzei ging es dann zu den anderen zurück, die alle schon wach waren, aber wohl doch zu viel getrunken hatten. Wir frühstückten ausgiebig und stiefelten an den Strand. Dort mieteten wir 3 Sonnenschirme und machten es uns gemütlich. Der Strand ist echt schön, die Wellten sind toll, das Wasser ist angenehm kühl und eine echte Erfrischung, aber der Himmel und die Umgebung macht mir Sorgen. Für den Himmel kann keiner was, der ist hier leider nie wirklich blau, sondern immer diesig oder bewölkt. Aber für den ganzen Müll können die Inder etwas. Jeder kippt hier seinen Müll über die Mauer hinter seinem Grundstück und damit ist das Problem gelöst. Hier ist es sogar noch einfacher. Man kann seinen ganzen Müll einfach die Steilküste herunterkippen. Dumm nur, wenn unten der Strand für die Touristen ist, die sich am Gestank und am Aussehen stören. Oder an den ganzen streunenden Hunden…

Aber das Wasser ist wunderbar. Die Wellten sind traumhaft hoch und brechen schön über einem zusammen. Einige waren etwas heftig und taten mir in den Ohren weh, aber Spaß gemacht hats trotzdem. So richtig schön von einer erwischt zu werden und umhergewirbelt zu werden macht schon Laune. Besonders gut wird es, wenn die Rückwärtslaufenden Wellen auf eine normale Welle treffen. Ab und zu kommen so große Mengen Wasser mit einer Welle am Strand an, dass das zurücklaufende Wasser eine weitere Welle bilder. Trifft jetzt diese Welle auf eine große meerseitige Welle, ist das die Krönung für jeden der es schafft, an diesem Punkt zu sein.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Verhalten der Strandwachen. Da kaum ein Inder schwimmen kann, werden alle im Wasser planschende zurückgepiffen, wenn sie ins Wasser waten und das Wasser höher als bis zu den Knien geht. Dabei können so gut wie alle der Touristen schwimmen. Die Lösung des Problems war einfach. Wir hockten uns ins 60cm tiefe Wasser und fingen an, ins Tiefere zu schwimmen. Jetzt sehen sie, dass wir schwimmen könnnen und lassen uns. Strange, einfach nur strange!

Nach dem Strandaufenthalt gingen wir zurück zum Appartment, um uns das ganze Salz vom Körper zu waschen und für das Restaurant vorzubereiten. Wir gingen wieder ins Cafe del Mare und liesen es uns richtig gut gehen. Ich leistete mir Baracuda-Filet, dazu 2 Fosters Bier und Reis. Fosters Bier aus Australien gilt hier als Pisse, keiner trinkt es gerne. Mir schmeckt es!!!

Und ebenso die Samosa, die super leckere aber völlig aberwitzig überteuerte Vorspeise. Statt der üblichen 4-5 Ruppies zahlten wir 60 pro Stück. Leider hat der bestellende nicht auf den Preis geschaut. Naja, nicht ärgern. Sie waren schließlich suuuuper lecker.

Nach dem Essen gings an die Heimfahrt. Ich dachte, die Straßen sind leer und das wird ne schnelle Kiste, aber nix da. Die Straßen waren voll wie am Tage und wir benötigten für die 175 Kilometer sage und schreibe 6 Stunden. 30 km/h im Schnitt sind wir gefahren. Was mich nur etwas aufgeregt hat war die Tatsache, dass alle Inder DAUERND mit Fernlicht fahren. Zwar ist es hier genau so verboten wie in Deutschland, aber “hier macht es ja jeder, also mache ich es auch”. Schließlich sehe ich mit Fernlicht mehr als ohne….

Eine Qual für die Augen und die halbe Zeit wird im Blindflug verbracht, weil man durch das Fernlicht der anderen nichts sieht. Ich habe nur die Augen zu gemacht und an mein Bettchen gedacht.