Eigentlich wollten wir um 08:30 Uhr aufstehen und ganz früh am Strand sein. Weil die Feier am Vorabend dann aber doch etwas länger dauerte, brauchen wir erst um 12:00 Uhr auf, der größten Mittagshitze. Es war der heißeste Tages seit ich hier bin. Der Plan war, nach Cherai Beach zu fahren und dort den Tag zu verbringen. Weil wir am letzten Sonntag ein ein paar Schwierigkeiten mit der indischen Zeitrechnung und Planung hatten, wollten wir uns dieses mal nicht fahren lassen, sondern nahmen die Busse. Bus fahren ist ein Event, welches ich einmal näher schildern möchte.

Zuerst einmal sind die Buslinien in Malayalam geschrieben. So heißt die Sprache hier in Kerala. (Malayalam kann man von vorne wie von hinten lesen 🙂 ) Das bedeutet für mich, dass ich jedesmal den Busfahrer fragen, wohin er denn das Ungetüm von Bus steuert. Ein Bus ist ein Metallklotz mit Sitzen wie bei uns. Nur sind die Sitze Hartschale und es fehlen Scheiben. Das ist aber gar nicht weiter schlimm, denn es sorgt für angenehmen Fahrtwind bei 34°C Außentemperatur. Im Bus herrscht Geschlechtertrennung. Frauen sitzen vorne im Bus, die Männer hinten. Wir “Fremde” dürfen aber Männlein-Weiblein nebeneinander sitzen.

Sitzen ist ein Stichwort – Ich muss sitzen! Denn wenn ich nicht sitzen kann, muss ich stehen. Und das bedeutet, dass ich mit meinen 194 cm in einem 180cm hohen Raum stehen muss. Das ist nach einigen Minuten unangenehm und nach 15 wird es langsam schmerzhaft.

Dann durfte ich endlich sitzen und sah mich dem nächsten Problem ausgesetzt. Die sitze sind zu schmal, mein Kreuz benötigt mindestens 1,5 Sitze. Und der Platz nach vorne war auch reichlich knapp bemessen. Die Knie konnte ich nicht vor mir lassen, ich musste breitbeinig wie ein Cowboy sitzen um überhaupt in diese Sitzformation zu passen. Die Missmutigen Blicke der Inder, weil ich zwei Sitzplätze benötige, sind mir noch im Gedächtnis 🙂

Busse sind Arbeitsgeräte ohne Comfort. Der laut dröhnende Musik bezeichne ich nicht wirklich als Comfort. Die Bremsen sind ein Erlebnis, weil die Bremsklötze glaube ich seit Jahrzehnten abgefahren sind. Es wird direkt auf der Felge gebremmst, so hört es sich zumindest an. Der Bremsweg ist auch mal ungleich länger. Für mich eine Warnung, wenn ich das nächste mal einem Bus als Verkehrsteilnehmer gegenüberstehe. Das beste an der ganzen Busfahrerei ist aber das Gehupe. Im “Dauerfeuer” wird das Horn betätigt. Da dem Bus Scheiben fehlen, kommt der Schall verdammt laut ins innere. Das tat nach 30 Minuten nur noch weh und war nicht schön.

Bemerkenswert finde ich noch das Arbeitsmodell der Busse. 1 Fahrer hinter dem Steuer, daneben sitzt ein “Ausrufer”, der die Stationsnamen ruf und hinten im Bus schleicht einer umher und kassiert und fertig den Bus ab. 3 Angestellte in einem Bus. Wer bezahlt das? Durch Tickets wahrscheinlich nicht, denn eine innersädtische Fahrt über 20 Minuten kostet etwa 8 EuroCent.

Irgendwann zur Mittagshitze waren wir dann am Strand. In Cherai angekommen, ging es für 33 EuroCent mit dem Taxi an den Strand. Das Taxi mussten wir irgendwann verlassen, weil die Brücke zur Hälfte eingestürzt war und nicht mehr befahrbar war. Unfassbar, dass eine offensichtlich fehlkonstruierte Brücke weiterhin geöffnet bleibt.

So gingen wir zu Fuß weiter und waren bald am Strand. Verglichen mit Marari Beach, einem einsamen Palmenstrand, war das hier nicht wirklich schön. Tausende Inder ballen sich auf 500 Meter Strand und gehen in bester Kleidung und mit der ganzen Familie Baden. Da sie so gut wie alle nicht schwimmen können, bilden sie Ketten und halten einander fests. Ein schönes und ungewohntes Schauspiel.

Nur 800 Meter weiter fanden wir unser Schattiges Plätzchen für die nächsten 3 Stunden. Ohne Schatten wären wir wohl umgedreht. Die Temperatur betrug 34°C, aber das schlimme war die brütende Sonne. Selbst der Sprung ins Nass war keine Erfrischung, da das Wasser genau so warm wie die Luft zu sein schien. Spaß gemacht hats trotzdem.

Auf dem Rückweg war der Strand dann total überfüllt und wir kamen nur schwer vorran. Wir wurden angestarrt als wenn Sie noch nie 3 weiße auf einmal gesehen hätten – haben sie auch wohl nicht. Wir wurden aufgefordert, Ihre Kinder zu fotographien und Hände zu schütteln. Ich ging in der Mitte, Emily und Kasia links und rechts von mir. Sie “beschützten” mich ein wenig, aber es brauchte nichts. Indische Männer treten sehr gerne in Kontakt mit uns Europäern und wollen sich unterhalten und Hände schütteln. Da es Ihnen aber untersagt ist, Frauen anzufassen, muss ich alle paar Minuten ein Händepaar schütteln. Und das trotz meiner beiden weiblichen Bodyguards.

Viele der anderen Indischen Männer taten so, als würden sie die Landschaft fotographieren, dabei folgten sie mit Ihren Kameras aber verblüffend genau unserem Stadtort. Das Interesse galt den beiden mit mir gehenden Frauen. In Varkala Beach, wo wir Samstag hinwollen, gibt es viele Srandpolizisten. Diese sollen verhindern, dass die Einheimischen mit Kameras an der Promenade hocken und westliche Frauen im Badeanzug fotographieren. Es ist ein absoluter Touristenstrand und die Region kann es sich nicht leisten, die Touristen zu verlieren, daher verbannen sie die eigenen Leute.
Aber das sind Geschichten, ich überzeuge mich gerne eines besseren.

Zum Abschluss noch ein Bild von einem Familienfahrzeug. In diesen Wagen passen auf diese Weise etwa 12 Menschen. Gedacht ist er für 2-4.

Jetzt sitze ich im Büro und schreibe während der Arbeitszeit den Blog. Mein Kollege sitzt hier und bespricht finanzielle Sachen mit dem Buchhalter der Firma. Natürlich will dieser nur Malayalam sprachen und so habe ich eine Halbe Stunde Pause 🙂

Edit: Eine Nachzählung hat ergeben, dass sich sogar 14 Menschen in diesem Taxi tummeln. Danke für den Hinweis Julian

Und die Fotos habe ich auch mal eingerückt. Auf meinem 10″ Monitor sehe ich das nicht immer.