Bestzeit Marathon 226 war am 01.09.13

Sagenhafte 06:47:08 Stunden war ich unterwegs. Okay, es war der Marathon am Ende eines IronMans in Köln. Aber die Zeit bleibt trotzdem unterirdisch. Es war mein erster “Marathon” war, zumindest glaube ich das. Denn einige Wanderungen bei den Pfadfindern waren in der Größenordnung. Aber da habe ich die Zeit nicht gemessen und sie sprengte wohl den Rahmen.

Auf jeden Fall enspricht diese Zeit nicht mehr als “mäßig bis schnelles gehen”. In Köln war ich noch gut 10 km so etwas wie gelaufen. Danach nur noch schnelles gehen. Aber jetzt war ja Hamburg. 8 Monate später. Die tolle Motivation direkt nach dem IronMan war einer 12 wöchigen Lethargie gewichen, die mich etwas sehr aus dem Konzept brachte. Darüber hatte ich in diversen Berichten gelesen aber es nicht wirklich nachempfinden können. Das Loch in der Motivation. Die Leere, wenn das Ziel plötzlich hinter einem liegt, die Müdigkeit in den Knochen. Und trotzdem der Stolz bleibt!

Dann war ich zu Besuch in Wien bei einem Freund. “Zufällig” war an dem Wochenende in Wien der Marathon und ich wollte zum Zeitpunk der Anmeldung über die volle Distanz gehen. Doch eine Erkältung 2 Wochen vorher und ein nervender Reizhusten sorgten dafür, dass ich nur die halbe Distanz lief. Eigentlich nicht erwähnenswert. Aber unser (Danas und meiner) Gastgeber lehnte sich danach etwas aus dem Fenster und sagte: “Ich bin noch nie gelaufen. Aber ich kann 10 Minuten laufen. Wenn ich das schaffe kann ich auch 10km laufen. Und wenn ich das schaffe kann ich auch einen Marathon laufen”

Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass in 3 Wochen in Hamburg Marathon ist und er sich anmelden soll wenn er das so meint. Er sagte ja. Ich hielt ihn für verrückt. Aber er hat sich dann mit meiner Hilfe (er hat keine deutsche Meldeadresse) einen Startplatz besorgt (regulär!!!) und ist mit Frau und Kind nach Hamburg gekommen.

Am Tag des Marathons wirkte er fit und agil. Trotzdem voller Respekt. Und redete was von “Wie, das ist ein ganzer??? Ich dachte ein Halber”. Naja. Hundertmal gesagt. Der Hamburg Marathon ist meins ein Hamburg Marathon. Deswegen heißt er so. Aber er ist angetreten. Im letzten Startblock standen wir. Es war saukalt. Hamburger Nieselwetter und Sprühregen. Kalt und Ekelhaft für uns die wir noch 40 Minuten auf den Start warten mussten. Aber irgendwann ging es dann doch los. Viel zu schnell, wie immer.

Und auch er legte ein Tempo an den Tag, das ich nur schwer mitgehen konnte/wollte. Nach 4 km wurde er langsamer, nach 8 mussten wir gehen und ab dann war es immer wieder gehen, laufen, gehen, laufen. Km 14 sagte er mir, dass er mich bremse und ich doch bitte alleine weiter soll. Km 15 bin ich dann alleine weiter. Er, Adrian, hat sich noch bis zum HM gekämpft. Aber das immerhin geschafft! Respekt. Sicherlich wäre er auch ins Ziel gekommen, aber zu welchem Preis? Irgendwann muss man aufhören.

Ich habe dann von 15-24 noch ein gutes Rennen abgegeben. Gezogen hat die Motivation, dass bei km 26 meine Familie wartet. 26 – 32 ging durch die Straßen meiner Jugend. Motivation ist alles. Massagestand. Ich würde gerne. Aber ich zweifle an der unmittelbaren Wirkung. Und ich habe einen Schrittmacher ca 50 m vor mir. der leidet wie ich. Aber er gibt nicht auf. Und ich bleibe dran.

Km 36, ich bin alle. Meine Füße sind angeschwollen, der große Onkel stößt vorne an. Schon beim IronMan ist mir danach der Nagel abgefallen. Wird wohl wieder passieren. Lässt sich nicht ändern. Um mich herum haben einige Kameras dabei. Bleiben kurz stehen, machen Fotos. Ein etwas abfälliges “Touristen” durchzieht meine Gedanken. Aber auch ein “Eigentlich ne geile Idee” und “ich lebe in einer super schönen Stadt” durchziehen meine Gedanken.

Am Rand fallen mir immer wieder 2 Jungs und 1 Mädel auf. Alle in etwa mein Alter. Sie feuern (auch) mich an. Aber hauptsächlich ihren Vater, der fast genau mein Tempo läuft (+1 Minute) wie ich später erfahre. Die drei Geschwister haben eine große HSV Flagge dabei und feuern Ihren Vater an. Und da ich das selbe Tempo laufe UND …. im HSV Trikot unterwegs bin hat man sich schnell erkannt.

Km 37 gehe ich erstmals längere Strecken. Eine Frau überholt mich, feuert mich an. “Los jetzt, gleich geschafft. Nicht aufgeben”. Ich versuche dranzubleiben. Lasse abreißen. Geht nicht mehr. Schnelles gehen. Immer mal wieder leichter Trab für einige hundert Meter. Gehen. Einige Zuschauer sind wunderbar. Ich bewundere besonders die, die auch bleiben oder erst kommen, wenn die Elite durch ist. So viele mir völlig unbekannte Menschen haben mir ein gequältes, aber ehrliches, Lächeln abgetrotzt, mich motiviert, doch nochmal Gas zu geben oder mir Getränke und Kekse (Kinder in Ohlsdorf) angeboten.

Km 39. Die Frau, die mich motivieren wollte kommt in Sichtweite. Sie kann nicht mehr. Ich versuche sie mitzuziehen. Keine Chance. Sie bleibt zurück und kommt wahrscheinlich irgendwann nach mir ans Ziel. Bei mir ists auch aus. Trommler Gruppen, Zuschauer am Rand, niemand kann mich mehr motivieren. Ich kann einfach nicht mehr. Gehen ist noch drin. Womöglich auch noch weitere 40 Kilometer. Aber laufen werde ich nicht mehr. Ein Trost ist, dass alles um mich herum genauso drauf ist wie ich. Keiner läuft mehr. Alle schleppen sich ins Ziel. Keiner gibt auf. Wär jetzt auch doof, oder?

Km 41. Laaaanger seichter Anstieg vor dem Ziel. Einige ziehen wieder an. Ich bin im Gespräch mit einem “alten Hasen”. Er sagt “wer sich jetzt am Berg verausgabt in der Hoffnung auf einige Sekunden besser hat sie nicht alle. Meistens holt man sie schnell wieder ein.” Er sollte recht behalten. Jeder der am Berg 10-15 Sekunden gewonnen hat verliert auf den letzten 1000 Metern 2 Minuten. Die letzten 500 Meter werden gelaufen. Es tut zwar alles weh, aber egal. Das spürt man kaum. Dieser Moment ist einfach unglaublich. Macht süchtig.

Im Ziel angekommen dann große Freude. Und der Schreck. Mein Beutel mit allen Sachen (Handtuch, trockene KLeidung, HVV Karte, Handy) ist weg. Ich muss in einer Rettungsdecke vom Roten Kreuz in nasser kleidung bei nasskalten Temperaturen nach Hause fahren – wo meine Kleidung auf mich wartet. Adrians Frau wollte die Sachen eigentlich im Startbereich ablegen – durfte aber nicht rein. Mist. “Nur mit gültiger Startnummer…..”

aber immerhin:

06:47:08 – Alte Bestzeit

05:24:28 – Neue Bestzeit

01:22:40 – Fast 1,5 Stunden Schneller. Woohooo. Das gleiche nochmal und ich habe meine Zielzeit für 2015 (04:00:00) erreicht 🙂

Ziel für 2015 wird 04:20:00 sein. Langzeitziel ist 03:30:00