Anders kann man es wirklich nicht sagen. Es war zwar eine Unwetterwarnung herrausgegeben, aber das gibt es ja mehrmals im Jahr. Was heute passierte, war unglaublich. Ich war wie jeden Montag bei meinem Brötchengeber Engel&Völkers und verbrachte eine tolle Mittagspause in der Sonne Hamburgs, blauem Himmel und einem lauen Lüftchen. Um 15:00 Uhr erreichte mich die sms eine Freundin “… und dann fahre ich nach Hause und genieße noch die Sonne im Garten” – 20 Minuten später stand alles unter Wasser. Mittem im Gespräch mit meinem Vater wurden wir 2x unterbrochen, bevor das o² Netz streikte. Wenig später war auch das d² Netz tot und wir mussten das Festnetz nutzen. Die Tropfen wurden dicker, es hagelte sogar ab und zu (bei 31°C Außentemperatur!!!! Die Welt ist verrückt!) Irgendwann sahen wir das Haus gegenüber kaum noch vor lauter Regen, der Lärm des auf den Sonnenschutz prasselnden Regens wurde so laut, dass wir nicht mehr miteinander reden konnten. Wir öffneten die Fenster und genossen das Schauspiel – im 4ten Stock stehend.

Das Schauspiel vor dem Fenster war schon großartig. Die Kanalisation konnten mit den Wassermassen nicht fertig werden. Obwohl wir hier recht hoch und am Hang liegen, stand hier das Wasser. Es war einfach viel viel viel zu viel. Es sind hier an dieser Stelle  laut Abendblatt 81,3 Liter Regen innerhalb weniger Stunden gefallen. Das sind 15% des gesamten Jahresniederschlages …. in ca. 3 Stunden. Egal, wie gut die Kanalisation auch ist – Das hätte niemand verkraftet. Der Blick aus dem Fenster hatte etwas von Venedig – Ein Porsche gegen die Wassermassen.

Als das Gespräch mit meinem Vater abbrach musste ich an unseren Keller denken, der schon häufer Wassereinbrüche zu verkraften hatte. Keiner war zu erreichen, weder auf Handy noch auf Festnetz – Da war ich mir sicher, dass sie jetzt gerade in diesem Moment absaufen. Und so war es auch. Im Keller stand 70cm Wasser. Parkett, Sofa, Regale …. Alles, was man nicht schnell raustragen konnte, schwamm lustig im Raum umher. Stundenlanges Schöpfen war die Folge. Und ich hing auf der Arbeit fest. Nach etwa 20 Minuten kamen Kollegen zu uns in unseren Gebäudetrackt und schienen ganz aufgeregt und sprachen wirr: “Habt Ihr noch Mülleimer? Es regnet durch die Decke!!!!!”

Und wer war schuld? Diese schicke, elegante, formschöne Regenrinne im 5ten Stock. Man kann sich ganz prima raufsetzen, rauslehnen oder etwas draufstellen, nur den Regen abführen kann sie nicht so gut. Wenn das Fallrohr voll ist, steigt der Wasserpegel an und an. Und dann …. läuft er nicht außen an der Hauswand runter sondern – INS GEBÄUDE! Eine Fehlplanung der Extraklasse. So lief das Wasser 2 Stunden lang durch die Fenster im 5ten Stock und breitete sich im 5ten Stock aus und suchte einen Weg nach unten – Fand diesen natürlich auch und tropfte munter durch die Decken auf das, was darunter liegt. Monitore, Drucker, Akten, Schränkte, Schreibtische, Elektronikkästen, Mitarbeiter, … Einfach alles.

In der einen Gebäudehälfte wurde nicht gearbeitet – Wegen Überflutung geschlossen (2ter bis 5ter Stock), auf der anderen Hälfte (diejenige ohne modische Regenrinne) auch nicht – Hier war Katastrophentourismus angesagt. Einige verschwanden nach Hause, wollten Autos umparken oder einfach den anderen Kollegen “helfen”. Es war zumindest ein nettes get-together 😉

Irgendwann waren alle Mülleimer requeriert und aufgestellt, die Rechner mit Planen abgedeckt, der Strom abgestellt und die Büros verlassen. Der Klempner kam und machte noch Witze “Da hat wohl jemand ein Fenster offen gelassen” – Aber er verstummte schnell, als er das Ausmaß sah. Wahrscheinlich dachte er “JACKPOT!!! – Arbeit für viele Wochen” 😉 Ich habe noch einen kleinen Rundgang gemacht, um das Regenwald Ambiente einzufangen:

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Mal schauen, wann hier wieder vernünftig gearbeitet werden kann. Die letzten Stunden bis Feierabend wurde zumindest nicht mehr viel geschafft. Mülleimer wurden herbeigeschafft und damit das Wasser aufgefangen, Tische wurden aus den Büros geschoben, Planen über Technik und Ordner gelegt und jede Menge telefoniert. Die Meldungen klangen nicht danach, als hätte sie ein kleiner Schauer auslösen können. 2 U-Bahnlinien wegen Wassereinbruchs gesperrt, Hauptbahnhof Süd komplett gesperrt, die Europapassage ist dicht, 70 Geschäfte vollgelaufen, Reihenweise fallen ICE Züge aus, Autos bleiben zu hunderten in den Wassermassen liegen, Unterführungen verwandeln sich in metertiefe Seen und die Stadtteile Winterhude/Ohlsdorf/Barmbek werden zeitweise zu “Neu-Venedig”. Und mein liebstes Brauhaus, das Gröniger, ist auch abgesoffen. 1,70 Wasserstand im Wirtskeller.

Bisher kannte ich solche Regenfälle nur aus Indien und Nepal. Jetzt auch hier in Hamburg

An meinem Arbeitsplatz ist mit Abstand am meisten Regen gefallen, aber durch die vielen Kanäle konnte das Wasser schnell abfließen. Ohlsdorf/Barmbek/Winterhude hingegen verwandelten sich in eine Seenlandschaft. Und weil ich genau da 7 Jahre gewohnt habe, musste ich einfach mal nach Videos “googlen” und hier hochladen.

Dieses Video entstand an der S-Bahn Unterführung Landwehr, die Haltestelle meines Gymnasiums. Feixende Menschen feuern einen Porsche Fahrer an, durch das Wasser zu fahren. Er fährt rein und schiebt eine Wasserwand vor sich her – und der Motor säuft ab. Schadenfreude pur!

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Landwehr 2

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Eine Autofahrt durch Hamburg, ebenfalls bei Youtube gefunden. Die Fahrt geht von S-Rübenkamp zur Kreuzung Fuhlsbüttler Straße.

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Über diese Kreuzung bin ich volle 7 Jahre lang zur Schule, Arbeit, Uni gegangen, gefahren, gelaufen … Aber noch nie geschwommen. Dieser sportliche Junge Mann zeigt, dass man diesem Unwetter auch etwas gutes abtrotzen kann.

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Die gleiche Kreuzung, anderer Kameramann

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Wenn man diese Wassermassen sieht ist es auch kein Wunder, dass der Keller abgesoffen ist. Solche Massen kann einfach niemand bewältigen.