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Nepal

Nepal

Trisuli – Rafting

Auf dem Weg zurück nach Katmandu hielt der Bus zweimal bei völlig überteuerten Restaurants. Der ganze Bus stöhnte angesichts der horenden Preise, aber die meisten zahlen dann doch bereitwillig jeden Preis, schließlich hatten die wenigsten überhaupt gefrühstückt. Typische Touristenabzocke, gut, dass wir wenigstens ein paar Bananen am Straßenrand gegessen hatten.

Mit drei Stunden Verspätung kommen wir dann bei unserem Rafting-Startpunkt an und freuen uns sehr, dass wir diesen Trip bei einer offiziellen Rafting-Agentur gebucht haben. Sie haben außer uns nur noch eine polnische Touristin anwerben können, warscheinlich weil es hier in der “off-season” “twentyfour-seven” regnet. So natürlich auch heute.

Aber da wir bei einer offiziellen Agentur gebucht haben, werden wir natürlich nicht zu dritt im Raft sitzen, denn dann wäre es zu leicht und das wäre gefährlich. So begleiten uns neben dem Bootsführer noch zwei Nepalesen im Raft und ein weiterer fährt im rescue-kajak neben uns her. Vier Nepalesen, zwei Boote, zwei Bustransfers, zwei Tage Raften mit Übernachtung und Vollverpflegung für 60 Euro. Wahnsinn, dass hier sowas geht.

Nach einer recht ausführlichen Sicherheitsbelehrung gehts auch schon los. Anfangs haben wir noch ziemlichen Respekt vor dem großen Fluss, der das Raft so mühelos umherschaukelt, aber schon bald beginnt es richtig Spaß zu machen und unser Guide lenkt uns in jede Stromschnelle, die uns ordentlich durchrüttelt. Lukas und ich sitzen ganz vorne und geben den Paddeltakt an, hören dabei auf Kommandos wie “forward, faster, left back, hold on tight or all in”

Das macht sehr viel Spaß und innerhalb von Minuten sind wir nass bis auf die Haut. So macht sogar der Dauerregen wieder Spaß!

Die Nepalesen-Crew ist super drauf und macht mit uns ordentlich faxen, die Stimmung ist großartig. Und fasziniert beobachten wir, wie der Nepalese im rescue-kajak unter Wasser verschwindet und sich immer wieder geschickt durch eine Eskimorolle umdreht. Zwischendurch sammelt er herumschwimmenden Plasikmüll auf. Ich bin irritiert und frage mich, was er denn damit anstellen will. Da kommt er zu uns rübergepaddelt und schmeißt ihn zu uns ins Boot!

Jemand, der nicht nur keinen Müll in unberührte Natur wirft, sondern ihn sogar aufsammelt! Das haben wir weder in Indien, noch in Nepal je gesehen. Erneut sind wir angenehm überrascht von unserem Trip.

Die nebelverhangenen Berge, die schmalen Hängebrücken und andere Konstruktionen, mit denen die Anwohner den Fluss überqueren -z.B. kann man sich in einen kleinen Metallkäfig setzten und sich selbst über den Fluss ziehen-, sind einfach herrlich. Vom Uferrand winken uns Fischer zu und wir fahren sogar an einer Feuerbestattungszeremonie vorbei. Die Stimmung könnte nicht besser sein und wir sind traurig, als wir unser Ziel erreichen und das Raft verlassen müssen. Aber nach einer Nacht im Zelt geht es gleich am nächsten Morgen weiter.

Diesmal begleitet uns noch ein spanisches Pärchen aus Barcelona. Sie wollten eigentlich von Pokhara aus raften, aber ihr Flug dorthin wurde aufgrund des heftigen Monsums gestrichen. Sie waren ziemlich verärgert darüber, aber als sie erfuhren, dass am gleichen Tag eine Maschine, die dennoch gestartet ist, abstürzte, waren sie plötzlich sehr dankbar. Und wir sind es auch. Nach einem “Verbot” meinerseits, nimmt Lukas nun schwerenherzens Abstand von seinem festen Vorsatz, einen Mount-Everest-flight zu machen und grummelt ein bisschen vor sich hin 🙂

Das Pärchen ist zwar saunett, aber völlig unfähig zu raften. Eigentlich soll nämlich das ganze Boot im gleichen Takt paddeln, aber der Spanier, der neben Lukas ganz vorne sitzt, bekommt es einfach nicht auf die Reihe und paddelt ins leere oder hört mittendrin einfach auf zu paddeln.

Nach zwei Stunden kommen wir leider schon an unserem Ziel an und wir werden vom erstbesten Bus, der an uns vorbei in Richtung Katmandu fährt, aufgesammelt. Dann heißt es drei Stunden auf engstem Raum direkt unter den Boxen unglaublich laute eintönige Hindi-Musik hören. Ein solches Lied dauert gefühlte zwanzig Minuten und besteht aus nahezu identischer Strophe und Refrain. Eine Nervenzerreißprobe, da helfen auch Ohrstöpsel nicht wirklich.

Pokhara

Die Kanufahrt mit den Chinesen noch im Kopf gings mit dem Bus 5 Stunden nach Pokhara, dem Ausganngspunkt aller Tracks rund um die Annapurna Region. Wir sind hier ohne Pläne angekommen und wollten uns einfach nur mal treiben lassen nach dem hektischen Indien und der organisierten Dschungel Erfahrung im Chitwan Camp. Das relaxen klappte alleine deshalb ganz gut, weil wir fast nur Regen hatten. Die Straßen soffen ab, unsere in die Wäscherei gegebene Wäsche wollte nicht trocken. Und der Wäscher hat uns ganz kurz gebracht, richtig richtig ärgerlich und laut zu werden. Hier wird nämlich nach Gewicht bezahlt und er wollte uns die Nasse Wäsche wiegen, die ER nicht trocken bekommt. Dass wir eigentlich weniger zahlen wollten, weil wir nur wenig Lust auf nasse Sachen im Rucksack hatten, konnten wir ihm nicht verklickern.

Pokhara ist berühmt für seine Freundlichkeit gegenüber Touristen, angeblich der perfekte Ort zum Seele baumeln lassen und nichts tun. Auch Old Pokhara 4 Kilometer weiter nördlich wird immer wieder angepriesen als äußerst sehenswert, was wir nach einer ausgiebigen halben Stunde dort einfach nicht nachvollziehen konnten. Das besondere an diesem Ort ist die Sicht auf den Himalaya, wenn der Himmel wolkenfrei ist und die Sonne scheint. Dass wir an einem der weltweit schönsten Orte waren, ihn aber wegen schlechten Wetters nicht genießen konnten war schon ein wenig schade.

Als es langsam weniger mit dem Regen wurde schnappten wir uns ein Bot und ruderten auf den See hinaus. Dank des Regenwetters waren wir fast ganz alleine auf dem See, was wir sehr genossen. Allerdings fanden wir keinen Punkt, an dem wir wirklich nichts mehr hörten. Die Tempelglocken, die Hupen der Busse oder das Surren der Wasserturbinen war immer irgendwo zu hören. Am anderen Ende des Sees gönnten wir uns unser Bad und stellten im Wasser fest, dass es nicht mehr regnete … Das ist mal Timing 🙂

Das schoppen hier macht zwar Spaß, weil es günstig ist und man sich relativ ungestört umsehen kann, aber die Qualität war meistens mies. Am Ende gabs 12 Postkarten, 2 Sitzkissen und 12 Briefmarken.

Das aufregendste war noch die “German Bakery”, die hier Schwarzwälder-Kirsch verkauft, allerdings ohne Kirsch. “Einmal Chili-con-Carne” ohne Fleisch bitte. Merkste selbst, oder? Und das Pumpernickel, auch groß. Probiert haben wir es dann aber nicht, das Auge isst halt doch mit.

Chitwan national park – Tag 2

Alles Gute zum Geburtstag Mama!!! Schade, dass wir Deinem fünf Gänge Menü, das Du bestimmt zaubern wirst (“dieses Jahr mache ich aber mal was ganz einfaches, keinen Stress”… klar!), nicht beiwohnen können. Stattdessen genießen wir hier die völlig unnötigen Versuche der Nepalesen, uns westliches Essen zu servieren. Es gibt Kartoffelpuffer und dazu… Kartoffelbrei! Ohne Gewürze, ohne Salz. Herrlich!

Vor dem junge walk gabs erstmal eine kleine Sicherheitseinführung, die uns alle ganz schön nervös gemacht hat. Wenn uns ein Rhino angreift, dann müssen wir zickzack-laufen und uns so schnell wie möglich hinter einem Baum verstecken, sonst trampelt es uns platt. Bei einem Tiger siehts noch schlechter aus: Augenkontakt halten und ganz langsamt rückwärts gehen. Wenn er uns trotzdem angreift haben wir keine Alternative, er wird uns zerfleischen. Sehr gut zu wissen. Man kann sich vorstellen, wie uns das Herz stehen blieb als kurze Zeit später die Büsche neben uns zu rascheln begannen…

Insgesamt war es also ziemlich aufregend, obwohl wir eigentlich nicht spannenderes als Nasohornscheiße gesehen haben. Letzteres könnte daran gelegen haben, dass unsere Gruppe außer uns noch die bereits erwähnte chinesische Reisegruppe beinhaltete. Und Chinesen können einfach nicht eine Minute nur Beobachten und still sein. So begleitete uns durchgehendes Geschnatter und Gekicher und Fotografieren von einfach allem, was sich bewegt. Wahrscheinlich haben sie den Wald mehr durch die Kamera gesehen als ohne.

Ziemlich entnervt beschließen wir, nie wieder mit Chinesen so einen Trip zu machen.

Dennoch hat es schon was, durch meterhohes Gras zu laufen und im Regenwald durchs Wasser zu waten, immer in Furcht vor dem Tiger, der hinter dem nächsten Baum lauern könnte. Angesichts der vielen Moskitos und der vermeintlich niedlichen Würmchen, die plötzlich begannen uns anzuzapfen, hätte ich jedoch fast die Beherrschung verlohren. Ich musste sie regelecht von meinen Füßen abkratzen, weil sie sich so festgebissen hatten. Vielleicht ein bisschen zu viel Natur?

Weiter gehts im Kanu durch schmale Flüsse, Krokodile beobachten. Aber die kann man nur sehen, wenn man mucksmäuschenstill durchs Wasser gleitet, kein Problem für uns, wir freuen uns auf die gruseligen Reptilien. Doch, wer sitzt ausgerechnet mit uns im Boot?! Die Chinesen! Also haben wir natürlich keine Krokodile gesehen und auch keine Vögel zwitschern gehört. Nur ein einsames Rhino ließ sich trotz des Höllenlärms nicht vom Baden abhalten. Glück für uns! Wir hassen chinesische Touris!

Viel besser war dagegen der Elefantenritt durch den Jungel. Das sind schon beeindruckende Tiere, auf denen wir da sitzen dürfen. Es scheint kaum vorstellbar, dass es möglich ist, so ein Tier zu unterwerfen. Man erklärt uns, dass die Elefanten ihre Reiter von Geburt an kennen, nur so kann das nötige Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Sie werden nie wieder einen anderen akzeptieren.

Im Regenwald angekommen, hören wir plötzlich lautes Gekreische und Geknipse. Wir drehten uns genervt nach der Geräuschkulisse um und: Die Chinesen! Neeeiiiin! Sie sitzen doch tatsächlich auf dem Elefanten, der direkt neben uns reitet. Die Stimmung ist in Windeseile auf dem Tiefpunkt und wir flehen unseren Elefantenreiter an, einen anderen Weg einzuschlagen. Der grinst nur und fünf Minuten später sind wir im tiefsten Dickicht ganz unter uns. Weit und breit keine Chinesen mehr zu hören!

Erstaunlich wie leicht sich ein ganzer Elefant im Unterholz verstecken kann und durch welche kleinen Lücken er passt. Normalerweise muss man ja aufpassen, dass man keine Zweige oder Äste ins Gesicht bekommt, wenn man durchs Geäst wandert. Aber auf einem Elafanten sitzend muss man aufpassen, dass man nicht von einem ganzen Baum umgehauen wird.

Schon bald sehen wir die ersten Tiere. Affen, Wildschweine, Pfauen, Rehe, einen Veran und sogar eine Nashornmutti mit ihrem Kind. Das war toll! Während alles, was laufen kann, auf unserem jungle walk noch vor uns reisaus genommen hat, stören sich die Tiere überhaupt nicht an unserem Elefanten, sodass wir ihnen auf seinem Rücken quasi belibig nah kommen konnten.

Dann -wie sollte es auch anders sein?- fängt es wieder an zu regnen. Wir holen unsere Schirme heraus und die Elefanten treten den Heimweg an. Wir sind enttäuscht, dass es schon wieder zurück gehen soll und sind uns schnell einig, dass es noch nicht vorbei sein darf. Wir überreden das türkische Pärchen, das mit uns auf dem Elefanten sitzt, die Schirme einzupacken und uns einfach nassregnen zu lassen. Der Elefantenführer versteht unseren Drang nass zu werden zwar mal wieder nicht, aber wir können ihn überzeugen. Und so streifen wir noch eine halbe Stunde ganz alleine durch den Wald. Es gießt wie aus Eimern, wir sind nass bis auf die Knochen, aber haben lange nicht mehr so viel Spaß gehabt! Wir rufen “namaste Elefant!” und er hebt den Rüssel und freut sich mit uns. Ein grandioses Erlebnis!

Chitwan national park

Gestern haben wir uns relativ spontan entschieden, doch noch in den Chitwan-Nationalpark zu fahren. So kam es, dass heute um 6:30 Uhr der Wecker klingelte und wir uns recht mühsam aus dem Bett quälten. Um 7:00 Uhr sollte unser Bus fahren, ausreichend Zeit also. Doch schon nach fünf Minuten rief der Portier auf unserem Zimmer an, um uns Feuer unterm Hintern zu machen. Wir fanden das reichlich unverschämt, wo wir doch noch 25 Minuten Zeit hatten. Wir beschlossen, uns nicht stressen zu lassen und in Ruhe weiterzupacken. Nach weiteren fünf Minuten klopfte es wild an unsere Zimmertür, wir sollten uns nun wirklich beeilen, der Bus würde nicht warten.

Das ist mal wieder typisch, da hier alles immer dreimal so lange wie nötig dauert, wird man auch immer dreimal so früh herumgeschubst. Ziemlich genervt trotteten wir in die Lobby, ohne uns sonderlich zu beeilen, der Portier kann was erleben… Unten angekommen deutete eben dieser wild gestikulierend in Richtung Uhr. 7:10 Uhr! Doch auch das schockte uns nicht, hatten wir doch extra die Uhrzeit am Computer nachgesehen. Deren Uhr geht also falsch und darum machen die so einen Stress. Und da ich eh ganz gut geladen bin, fange ich gleich mal eine wilde Diskussion an und pöbel ein bisschen rum.

Schließlich gehts los, mit dem Taxi zum Bus. Und dann ganz langsam dämmerts uns… wir -oder vielmehr Lukas ;)- haben die Uhr noch nicht auf Nepal-Zeit umgestellt… und in Nepal ist es 15 Minuten später als in Indien. Ups… Aaaah, wir sind viel zu spät!! Gut, dass ich dem Portier noch meine Meinung gesagt habe…

Ziemlich nervös sitzen wir im Taxi, dass sich mühsam durch Katmandus Straßen quält. Was für ein schlechter Start in den Tag! Als wir dann endlich ankamen waren wir enorm erleichtert, dass der Bus noch dastand. Er hatte tatsächlich nur auf uns gewartet!

Und das war einfach super, denn die Busfahrt war eine der schönsten, die ich im Leben je gemacht habe. Sechs Stunden lang fuhren wir über wunderschöne Bergpässe. Rechts von uns der Trisuli, ein recht wilder Fluss, über den von Zeit zu Zeit kleine Hängebrücken führen. Diesen würden wir in einigen Tagen mit dem Schlauchboot unsicher machen, denn wir haben ebenfalls spontan eine zweitägige Mountain Raftig Tour gebucht. Die Vorfreude ist schon jetzt riesig!

Endlich angekommen werden wir auch schon von der üblichen Traube Touristenfänger begrüßt und wir sind sehr froh, dass wir unser Hotel schon im Vorraus gebucht haben. So brauchen wir nur einige Meter zu unserem Hotel-Jeep zu schländern und schon geben sie Ruhe. Nach uns steigt eine chinesische Familie aus dem Bus, welche offensichtich keine Unterkunft gebucht hat. Innerhalb von Sekunden werden sie von etwa zehn Nepalesen bedrängt, die alle wild auf sie einreden. “Weri cheep preises for yu, mei frend! Take sis! Helo! Helo! Mei Frend!! Best quality! Good hotel!” Wir und alle anderen Touris, die neben uns im Jeep sitzen, müssen lachen. Wir gut wir das alle kennen und wie froh wir sind, dass wir das nicht über uns ergehen lassen müssen.

Nach einigen Minuten kommt unser Fahrer zu uns, er hat ordentlich mitgemischt und amüsiert sich nun prächtig ob der Hilflosigkeit des Chinesen. “Oh, it´s always funny!” – “Not for them” erwidert Lukas trocken.

Angekommen im Hotel sind wir sehr angenehm überrascht. Es liegt direkt an einem Fluss mit super Aussicht auf den Nationalpark. Und da Tee inklusive ist, lassen wir es uns in der Hängematte bei Tonnenweise nepali milk tea ordentlich gut gehen. Wenn jetzt noch die Wolken verschwinden würden, könnten wir einen Blick auf die Berge erhaschen…

Unser Guide wollte einfach nicht verstehen, warum wir unbedingt mit dem Ochsenkarren zur elephant breeding farm wollten, der Jeep sei doch viel schneller und komfortabler. Aber letztendlich hat er nachgegeben und wir hatten eine super Tour ganz vorne – direkt hinter unserem einarmigen (!) Fahrer- über die Dörfer. Fühlten uns gleich um einige Jahrhunderte zurückversetzt, wie Krabat auf dem Weg zum Ochsen-Blaschke, um seinen zum Ochsen verwandelten Freund zu verkaufen.

Die Elefantenfarm selbst war den Besuch kaum wert, da weder Lukas noch ich gerne angekettete Tiere in ihrer eigenen Scheiße stehen sehen. Aber die Ochsentour war es auf jeden Fall! Nur komfortabel oder schnell reist man damit tatsächlich nicht… 🙂

Das abendliche culture programme (stick dance and many more) war ziemlich lächerlich und bescheuert, aber wir haben uns gut amüsiert. Besonders über den Nepalesen, der die Ansagen übernommen hat, denn außer “Leddis än Dschentelman” war kaum ein Wort zu verstehen. Lukas sagte nur treffend, aber vielleicht etwas zu laut: “And now in english please!”

Der Vollständigkeit halber muss ich leider noch folgendes hinzufügen: Während einer Tanzeinlage holte mich Lukas mit den Worten “Hey, der linke Trommler ist der, der auch den Ochsenkarren gefahren hat!” aus meinen Träumen. Ich stimmte sofort zu, warum auch nicht, die Nepalesen sehen doch eh alle gleich aus… Ich verstand nicht, warum sich Lukas so diebisch über meine Zustimmung freut, bis: “Philippa, unser Ochsenfahrer hatte doch nur einen Arm. Er wird wohl kaum trommeln…”

Kathmandu

Delhi Airport, Zwischenlandung auf dem Weg von Amritsar nach Kathmandu. Wir sitzen im nagelneuen, aber noch nicht wirklich fertigen Terminal des International Flughafens Delhis und sind von einer kurzen Nacht noch gut gerädert. Hier ist es sauber, überall liegt Teppich, die Luft ist klimatisiert, es gibt McDonnalds und Coffee Day und “Western-Style” Toiletten. Alles wie zu Hause. Und die Vorstellung, jetzt das schon etwas vertraute Indien zu verlassen und in eine völlig neue, unbekannte Kultur aufzubrechen, ist gerade nicht wirklich angenehm. Wir beide hätten in dieser Stimmung gerne das nächste Flugzeug nach Hamburg genommen, aber das war nur eine Stimmung.

Bei meinen Flügen der letzten Jahre nach Wien, Edinbourgh, Kerry oder Catania habe ich nie verstanden, warum berufliche Vielflieger freiwillig für ein Flugticket den 10 oder 20-fachen Preis bezahlen, nur um ein wenig mehr Luxus zu haben und nicht selbst beim einchecken anstehen zu müssen, etwas mehr Beinfreiheit zu haben und viele Kleinigkeiten mehr. Man kann doch die paar Stunden sich mal zusammenreißen und das Geld sparen. Aber jetzt nach 16 Flügen innerhalb von 5 Monaten verstehe ich total, warum Vielflieger gerne in der Business Class oder First Class reisen. Alleine schon wegen des Lärms der Triebwerke sollte man erwägen, weiter vorne zu sitzen. Ganz zu schweigenen von wegbleiben der Werbung über die Lautsprecher, viel zu kleinen Sitzabständen und separaten Zugang zum Flugzeug.

Aber wir haben es geschafft und sind in Kathmandu angekommen. Eigentlich wollten wir gleich am nächsten Tag weiter, um keinen unserer 8 Tage hier in Nepal zu verdödeln, aber das haben wir zum Glück gelassen und uns entschieden, zumindest 2 Nächste hier zu bleiben. Den halben Tag sind wir durch die Stadt gelaufen und haben uns tolle Outdoorkleidung angesehen. In Deutschland würde eine Jacke der Marke Mammut 400 Euro kosten, hier kostet die gleiche 25 Euro. Auch Rucksäcke, Hosen, Wanderstiefel und Schlafsäcke werden hier unter das Volk geworfen. Einen Schuh der Marke Mirell mit GoreTex Membran und Vibram Sohle hatte ich 10 Minuten in der Hand und ich konnte nicht sagen, ob es ein Original ist. Der Verkäufer sagte nur “Fake, batt guuut fake”. In dem Moment habe ich beschlossen, mir nichts zu kaufen, nichtmal ein T-Shirt oder Handschuhe. Funktionskleidung, die dem Original zwar verblüffend ähnlich sieht, aber eben ohne die “Funktion” ist wohl beim ersten Regen oder größerer Belastung keine Freude mehr.

Zwischendurch buchten wir eine Wildwater Rafting Tour über 2 Tage und einen 3 Tages Trip in den Chitwan Nationalpark und dann über Pokahara und Rafting zurück nach Kathmandu. Alles geplant, alles entspannt, alles inklusive.

Abends gingen wir nocheinmal durch die ganze Stadt, machten den Tempelwalk und tranken auf der Dachterasse eines Restaurants Unmengen an Tee und warteten darauf, dass der Regen aufhört.